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Abwehrverhalten oder Unterwerfung

  • Autorenbild: zumlorcheborn
    zumlorcheborn
  • 9. Okt. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Agonistisches Verhalten bezieht sich auf alle Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit Konflikten und sozialen Auseinandersetzungen zwischen Tieren, einschließlich Hunden, stehen. Dieses Verhalten umfasst sowohl aggressive als auch defensive Reaktionen und dient der Regelung von sozialen Interaktionen und der Vermeidung körperlicher Auseinandersetzungen. Bei Hunden kann agonistisches Verhalten unterschiedliche Formen annehmen, wie Knurren, Bellen, Zähne

zeigen, Abwehrverhalten oder Unterwerfung. Das Verständnis von agonistischem Verhalten ist wichtig, um die soziale Dynamik unter Hunden zu erkennen und mögliche Konflikte zu managen. In diesem Artikel erfährst Du, was agonistisches Verhalten ist, welche Formen es annehmen kann, warum es auftritt und wie Du es interpretieren und handhaben kannst.

Was ist agonistisches Verhalten?

Der Begriff “agonistisches Verhalten” stammt aus der Verhaltensbiologie und beschreibt alle Verhaltensweisen, die in einer sozialen Interaktion oder einem Konflikt zwischen Tieren auftreten können. Es umfasst ein breites Spektrum an Verhaltensweisen, die sowohl offensiv (aggressiv) als auch defensiv (beschwichtigend oder unterwürfig) sein können. Agonistisches Verhalten spielt eine wichtige Rolle bei der Regelung sozialer Hierarchien, dem Schutz von Ressourcen und der Vermeidung von körperlichen Auseinandersetzungen.

Formen von agonistischem Verhalten bei Hunden

Agonistisches Verhalten bei Hunden kann in verschiedene Kategorien unterteilt werden, je nachdem, ob der Hund offensiv oder defensiv reagiert. Die häufigsten Formen des agonistischen Verhaltens sind:

  1. Aggressives Verhalten:

    Knurren: Ein tiefes, bedrohliches Geräusch, das oft als Warnung dient.

    Bellen: Lautes, aggressives Bellen, um eine Bedrohung abzuwehren oder zu verscheuchen.

    Zähnezeigen: Ein deutliches Zeichen der Aggression, das die Bereitschaft des Hundes zeigt, zu beißen, wenn die Bedrohung anhält.

    Schnappen und Beißen: Direkte Angriffe auf eine Bedrohung, sei es ein Mensch oder ein anderes Tier.

  2. Defensives Verhalten:

    Abwehrverhalten: Der Hund zeigt Anzeichen von Angst oder Unbehagen, wie das Zurückweichen, die Körperhaltung senken oder das Anlegen der Ohren.

    Beschwichtigungsverhalten: Der Hund versucht, die Situation zu entschärfen, indem er sich unterwirft, etwa durch das Zeigen des Bauches, Kopf- und Körpersenken oder das Lecken der Lefzen des anderen Hundes oder Menschen.

    Unterwürfigkeit: Der Hund zeigt klare Zeichen der Unterordnung, wie das Vermeiden von Augenkontakt, das Hinlegen mit freigelegtem Bauch oder das Einziehen des Schwanzes.

  3. Kommunikatives Verhalten:

    Drohverhalten: Hierzu gehören Verhaltensweisen wie Steifwerden, Aufrichten des Fells (Piloerektion), Fixieren des Gegenübers mit starrem Blick und langsames Annähern.

    Beschwichtigende Signale: Diese Signale können sich in Gähnen, Wegschauen oder dem langsamen Annähern zeigen, um die Spannung zu mindern.

Warum zeigen Hunde agonistisches Verhalten?

Hunde zeigen agonistisches Verhalten aus verschiedenen Gründen, die oft mit ihrem Bedürfnis nach Sicherheit, sozialer Struktur und Ressourcenschutz verbunden sind:

Ressourcenschutz: Hunde können agonistisches Verhalten zeigen, um wertvolle Ressourcen wie Futter, Spielzeug oder Schlafplätze zu verteidigen. Dies ist ein instinktives Verhalten, das darauf abzielt, die Überlebenschancen zu maximieren.

Soziale Hierarchie: In einem Rudel oder einer Gruppe hilft agonistisches Verhalten, die soziale Rangordnung festzulegen und zu erhalten. Hunde nutzen aggressives oder unterwürfiges Verhalten, um ihre Position innerhalb der Gruppe zu klären.

Angst und Unsicherheit: Hunde, die sich bedroht oder unsicher fühlen, können agonistisches Verhalten zeigen, um sich zu schützen oder eine wahrgenommene Bedrohung abzuwehren. Dies kann besonders bei schlecht sozialisierten Hunden oder solchen mit negativen Erfahrungen auftreten.

Territorialverhalten: Hunde sind territoriale Tiere, und agonistisches Verhalten kann auftreten, wenn ein fremder Hund oder eine fremde Person in ihr Territorium eindringt. Sie verwenden Drohgebärden oder aggressive Verhaltensweisen, um ihre Grenzen zu verteidigen.

Kommunikation und Deeskalation: Hunde nutzen agonistisches Verhalten auch, um Konflikte zu vermeiden oder zu deeskalieren. Beschwichtigendes Verhalten kann eingesetzt werden, um eine bedrohliche Situation zu entschärfen, bevor es zu einer physischen Auseinandersetzung kommt.

Wie interpretiert man agonistisches Verhalten bei Hunden?

Das Verständnis von agonistischem Verhalten ist wichtig, um die Absichten und Gefühle eines Hundes zu interpretieren und angemessen zu reagieren. Hier sind einige Tipps, wie Du das Verhalten Deines Hundes besser verstehen kannst:

  1. Körpersprache beobachten: Achte auf die gesamte Körpersprache Deines Hundes, nicht nur auf ein einzelnes Signal. Ein steifer Körper, aufgestellte Ohren und ein starrer Blick deuten auf Spannung und mögliche Aggression hin, während eine geduckte Haltung und abgewandte Augen Unterwürfigkeit signalisieren.

  2. Begleitumstände berücksichtigen: Überlege, in welcher Situation das Verhalten auftritt. Ist der Hund in einer neuen Umgebung, wird er bedrängt oder sind Ressourcen im Spiel? Die Begleitumstände können Dir helfen, die Motivation hinter dem Verhalten zu verstehen.

  3. Sozialisierung und Erfahrungen berücksichtigen: Hunde, die gut sozialisiert sind und positive Erfahrungen mit Menschen und anderen Hunden gemacht haben, zeigen seltener aggressives Verhalten. Berücksichtige die Vergangenheit Deines Hundes bei der Interpretation seines Verhaltens.

  4. Unterschiedliche Verhaltensformen erkennen: Verstehe, dass Drohverhalten nicht immer zu einer physischen Auseinandersetzung führt. Es ist oft eine Warnung und eine Gelegenheit, die Situation zu entschärfen.

  5. Auf Veränderungen achten: Wenn Dein Hund plötzlich aggressives oder defensives Verhalten zeigt, das für ihn ungewöhnlich ist, könnte dies auf gesundheitliche Probleme oder Stress hinweisen. Ein Tierarztbesuch ist ratsam, um körperliche Ursachen auszuschließen.

Wie geht man mit agonistischem Verhalten um?

Der Umgang mit agonistischem Verhalten bei Hunden erfordert Geduld, Verständnis und oft die Hilfe eines Fachmanns. Hier sind einige Strategien:

  1. Professionelle Hilfe suchen: Wenn Dein Hund wiederholt agonistisches Verhalten zeigt, kann es hilfreich sein, einen Hundetrainer oder Verhaltensberater zu konsultieren, der Erfahrung mit aggressivem oder defensivem Verhalten hat.

  2. Positive Verstärkung verwenden: Belohne Deinen Hund für ruhiges und freundliches Verhalten. Positive Verstärkung kann helfen, das gewünschte Verhalten zu fördern und unerwünschtes Verhalten zu reduzieren.

  3. Sozialisierung fördern: Stelle sicher, dass Dein Hund gut sozialisiert ist, insbesondere in jungen Jahren. Ein gut sozialisierter Hund ist weniger wahrscheinlich aggressiv oder defensiv, wenn er auf neue Menschen oder Hunde trifft.

  4. Vermeidung und Management: Manchmal ist die beste Strategie, potenzielle Auslöser für agonistisches Verhalten zu vermeiden oder zu kontrollieren. Dies könnte bedeuten, Spaziergänge in weniger belebten Gegenden zu machen oder Situationen zu vermeiden, die Dein Hund als bedrohlich empfindet.

  5. Training und Übung: Setze auf Training und Übungen, um das Verhalten Deines Hundes zu verbessern. Das Training sollte auf positiver Verstärkung basieren und den Hund dazu ermutigen, ruhig und kontrolliert zu reagieren.

  6. Geduld und Verständnis: Verstehe, dass Veränderungen im Verhalten Zeit brauchen. Sei geduldig und arbeite kontinuierlich daran, eine positive und vertrauensvolle Beziehung zu Deinem Hund aufzubauen.

Fazit

Agonistisches Verhalten bei Hunden ist ein komplexes Thema, das sowohl aggressive als auch defensive Reaktionen umfasst. Dieses Verhalten spielt eine wichtige Rolle bei der Regelung sozialer Interaktionen und dem Schutz von Ressourcen und Territorien. Ein Verständnis der verschiedenen Formen und Ursachen von agonistischem Verhalten hilft Dir, die Bedürfnisse und Gefühle Deines Hundes besser zu interpretieren und angemessen zu reagieren. Mit Geduld, Training und gegebenenfalls professioneller Hilfe kannst Du dazu beitragen, dass Dein Hund sicher und entspannt mit seiner Umgebung interagiert.


C. Kaul

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