top of page

Beharrlichkeit

  • Autorenbild: zumlorcheborn
    zumlorcheborn
  • 4. Aug. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt. 2024

Zwei Hunde aus unserem Rudel heißen Rani und Hanna. Sie sind Mutter und Tochter. Die Mutter ist Rani. Hanna, ihre Tochter,

habe ich so genannt, weil sie als Welpe die kleinste war (heißt kleiner Liebling). Beim gemeinsamen Füttern des Rudels hat Welpe Hanna immer versucht, den anderen etwas zu stibitzen. Das ging von offener Provokation bis hin zu blitzschnellem Diebstahl. Hatte sie sich etwas ergaunert, schleppte sie es in eine sichere Ecke und verteidigte es. Bloß nicht wieder herausrücken. Da fletschte sie als kleiner Welpe die Milchzähne und ließ niemanden mehr heran. Außer mich. Ich nahm ihr gelegentlich nach einer einmaligen kurzen Diskussion den gestohlenen Fleischbrocken wieder ab und gab ihn dem Besitzer zurück. Das brachte den jungen Hund sichtbar an den Rand der Verzweiflung.

Was sie kurz darauf mit dem sogenannten "Gefahrentrick" quittierte. Sie stürmte während der gemeinsamen Fütterung an den Zaun und verbellte einen imaginären Feind. Oder griff wutentbrannt einen herumhüpfenden Sperling an. Und immer fiel einer der "Großen" darauf herein und stürmte mit. Sofort eilte sie zu dem frei stehenden Napf und bediente sich blitzartig. Ich merkte es und verbot ihr auch das.

Schnell hatte sie nun heraus, dass der eigentliche Feind ihrer erweiterten Speckansatzmaßnamen ich bin. Also beobachtete sie nach dem Herunterschlingen ihres Futters mich. Kaum fühlte sie sich vor meinen Blicken sicher, ging sie auf Raubzug. Sechs Monate brauchte ich, damit sie sich nur und ausschließlich um ihren Napf kümmerte. Sie war beharrlich und ich etwas mehr.

Doch nun, seit einer Woche bin ich nur noch am Lachen. Das Imperium schlägt zurück. Aber in Gestalt ihrer Mutter Rani. Sie nabelt ab. Die sieben Monate alte Hanna bekommt ihr Fett weg. Bei der geringsten Aktion ihrerseits geht es los. Rani beißt in ihre Beine, dreht sie auf den Rücken, sie quält sie. Beharrlich. Der kleinste Ansatz von Frechheit reicht und Tochter Hanna leidet lange.

Alles wie im Spiel, aber mit Lern Charakter. Hanna hat das anfangs gar nicht verstanden. Ungern verlässt sie „ich beackere die Mama“ Rolle.

Und vor drei Tagen durfte ich sehen, dass nun auch schon ein unüberlegter Blick in die Richtung der Mutter ausreicht. Ein kleiner aufsässiger Blick der Tochter, ein winziger frecher Ausdruck in Haltung oder Mimik. Sofort wird sie über die Wiese gejagt und bekommt Erziehung. Und genauso langmütig wie sie die Frechheiten ihrer Tochter ertragen hat, genauso lange erklärt sie ihr nun bei jeder Gelegenheit, was in Zukunft auf sie zukommt.

Hanna scheint zu verstehen. Sie trottet neben ihre Mutter her, versucht sich zu benehmen. Und wenn sie es doch wieder einmal kurz vergisst, dann wird es wieder unangenehm. Länger als ihr lieb ist. Beharrlich unterbindet Rani auch nur jegliche

Frechheit ihrer Tochter.

Ich muss daran denken, wie schnell man selbst einmal ungeduldig wird. Oder ich beim Training auf die Uhr sehe, faul werde. Wenn man etwas ändern will, dann reicht es nicht aus, dass man etwas ändern will. Man muss es auch tun. Manchmal eben auch beharrlich. Rani hat mir das gerade wieder erklärt.

Nun haben wir Nitha( Treu und Anmutig) mit im Rudel und die kleine wird nun von Hanna erzogen!


C. Kaul


Comments

Rated 0 out of 5 stars.
No ratings yet

Add a rating

©2023 von Hunde zum Lorcheborn. Erstellt mit Wix.com

bottom of page