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Der Wolf

  • Autorenbild: zumlorcheborn
    zumlorcheborn
  • 13. Aug. 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt. 2024

Es verbindet uns eine lange Geschichte mit dem Hund. Zunächst brachte er als Wolf einen Nutzen mit sich. Dann entwickelte er sich zu einem Partner. Und heute ist er ein Familienmitglied, unser bester Freund. Der Hund war das erste Haustier der Menschen und in all den Jahrzehnten hat sich eine einzigartige Beziehung zu ihm entwickelt. Zumindest jeder Mensch, der sein Leben mit einem Hund teilt, würde diese Aussage unterschreiben.

Kommt mit uns auf eine Reise durch die Zeit, wir erkunden gemeinsam die Entwicklung des Wolfes zum heutigen Haushund.

DER WOLF EROBERTE DIE WELT

Unsere Reise beginnt vor etwa einer Millionen Jahre mit dem Auftreten des Wolfes (Canis lupus). Er hat sich von Europa und Asien in nahezu der ganzen Welt ausgebreitet und sich dabei den unterschiedlichsten, teilweise extremsten Lebensräumen und Bedingungen angepasst. Er ist ein schneller Beutegreifer, stark, flexibel und schlau. Das machte den Wolf lange Zeit zum am weitesten verbreiteten Raubtier der Erde.

DOCH DANN KAM DER MENSCH

Es gibt sehr unterschiedliche Zahlen, wann der Wolf auf den Menschen getroffen ist und die gemeinsame Geschichte ihren Anfang fand. Manche Quellen gehen von 100.000 Jahren aus, andere von 30.000 bis 45.000 Jahren. Klar ist aber, dass Mensch und Hund schon viele Jahrzehnte miteinander verbinden.

Zunächst beobachtete der Wolf den Menschen. Sowohl Mensch als auch Wolf waren damals erfolgreiche Jäger mit einem ähnlichen Beutespektrum. Beide machten vornehmlich Jagd auf Großwild (z.B. den Riesenhirsch) und teilten sich dabei häufig dasselbe Jagdgebiet. Das machte Wolf und Mensch zu Konkurrenten.

In Notzeiten wagten sich die Wölfe an die Lager der Menschen und suchten in den Abfällen nach Essensresten. Weniger scheue Tiere verringerten mit der Zeit ihre Fluchtdistanz, wurden aber von den Menschen toleriert. Daraus entwickelte sich eine Zweckbeziehung: Der Wolf konnte beim Menschen Nahrung finden, während dieser vor wilden Tieren gewarnt oder diese für die Jagd aufgespürt hat.

DER BEGINN EINER EWIGEN PARTNERSCHAFT

Als direkter Vorfahre des Hundes gilt der Lagerwolf. Dieser ist zwar noch nicht gezähmt, hat aber bereits Erfahrungen im Leben mit dem Menschen. Daraus folgten erste Zähmungen, vermutlich durch die Handaufzucht von Welpen. Forscher nehmen an, dass diese Zeit dennoch von Konflikten zwischen Mensch und Tier begleitet war und Wölfe in Notzeiten auch vom Menschen für den Verzehr getötet wurden.

Mit dem Ende der letzten Eiszeit (vor etwa 10.000 Jahren) erfolgte ein Wendepunkt im Jagdverhalten der Menschen. Großwild wie das Mammut starb aus, so dass die Jagd auf kleinere, schnellere Tiere umgestellt werden musste. Hierbei erwies sich der Wolf als ideale Unterstützung. Er spürte die Tiere auf und trieb sie direkt vor die Speere der Jäger. So etablierte sich der Wolf zu einem idealen Jagdgefährten und Partner.

VOM JÄGER ZUM BESCHÜTZER

In der Jungsteinzeit (je nach Region etwa 8.500 bis 3.300 v. Chr.) fand ein weiterer wichtiger Wendepunkt statt. Nicht nur für die Entwicklung des Menschen, sondern auch in der Domestikation des Hundes. Der Mensch wurde sesshaft und wandelte sich vom Jäger und Sammler hin zum Bauern und Viehzüchter. Hierbei übernahm der Hund die wichtige Rolle des Wach- und Hütehundes. Anders als beim Wolf kann der Jagdtrieb beim Hund schwach ausgebildet sein bzw. abtrainiert werden. Dadurch hat der Hund einen festen Platz in der Gemeinschaft eingenommen. Ein Platz, den ein Wolf nicht hätte besetzen können und wollen.

DER HUND “MUTIERT” ZUM ALLESFRESSER

Der Hund ließ sich nun auch vom Menschen füttern, aber da Fleisch noch immer wertvoll und den Menschen vorbehalten war, bestand die Nahrung des Hundes weiterhin größtenteils aus pflanzlichen Zutaten. Dies führte zu einer Mutation der Gene. Heute hat der Hund die fünffache Menge an Amylaseenzymen (sogar mehr als Pferde!) und kann dadurch Stärke verdauen . Somit war der Hund bestens an die überwiegend pflanzliche Nahrung der damaligen Zeit angepasst.

DER MENSCH BEGANN ZU FORMEN

Im Laufe der Zeit hat haben sich Mensch und Hund immer mehr an das gemeinsame Leben angepasst. So haben sich verschiedene Rassen in den verschiedenen Teilen der Erde aufgrund der jeweiligen Bedürfnisse und Bedingungen entwickelt.

In der Zeit der Pharaonen (etwa 2.707 bis 1075 v. Chr.) entstand in Ägypten der Tesem, eine der ältesten Hunderassen. Es bestand dort eine sehr innige Beziehung zwischen Mensch und Hund, er wurde als Teil der Familie anerkannt und trug einen Namen. Der Hund hatte bei den Ägyptern eine besondere Bedeutung, da er als Gott Anubis über die Toten wachte. So schor sich der Hundehalter nach dem Tod seines Hundes als Zeichen seiner Trauer eine Glatze.

Der kräftige, furchtlose Molosser wurde im alten Persien (550 bis 330 v. Chr.) als Kriegshund und bei den Römern bei Arenakämpfen eingesetzt.

Arabische Beduinen sollen die ersten gewesen sein, die Peruanische Windhunde züchteten, die durch ihren schmalen Körper und die langen Beine perfekt an die Jagd angepasst waren.

Chinesische Kaiser hatten eine Vorliebe für kleine Hunde, woraus während der Han Dynastie (206 v. bis 220 n. Chr.) der Pekinese entstand.

Im Jahre 4 v. Chr. verfasste der Grieche Xenophon das Werk „Kynegetikós“, in dem Zucht und Erziehung von Hunden erstmals festgehalten sind. Er hat schon damals festgestellt, dass Hunde lieber kurze Namen tragen sollten und Kommandos knapp und eindeutig sein müssen. Die niedergeschriebenen Worte haben noch heute Bedeutung.

EINE EINZIGARTIGE BEZIEHUNG

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Mensch ohne den Hund heute nicht dort stünde, wo er steht, da er die Entwicklung des Menschen maßgeblich mitgestaltet hat. Heute ist der Hund nach der Katze das beliebteste Heimtier. 2020 lebten 10,56 Mio. Hunde in deutschen Haushalten.

Zwischen Mensch und Hund hat sich in all den Jahrzehnten eine einzigartige Beziehung entwickelt. Der Hund kann unsere Emotionen lesen, unsere Gestik und Mimik identifizieren, uns verstehen. Er kann Sprache und Tonfall in Zusammenhang bringen und erkennt Lob nur dann an, wenn es auch zum Tonfall passt. Wenn wir unsere Hunde ansehen, schütten wir Glückshormone aus. Gleichzeitig sinkt unser Stresshormon, wenn wir sie streicheln. Auch beim Hund sind diese Hormonänderungen möglich. Es gibt auch verschiedene Studien, die belegen, dass Menschen mit Hunden ein gesünderes Leben führen. In Schweden konnte bestätigt werden, dass Hundehalter im Schnitt drei Jahre länger leben.

WO IST DER WOLF GEBLIEBEN?

Nach all den Jahren des gemeinsamen Lebens, der gemeinsamen Entwicklung ist vom Wolf nur noch wenig übriggeblieben. Während der Wolf ein Rudeltier mit ausgeprägtem Sozialsinn innerhalb des Rudels ist, hat der Hund sein Sozialverhalten weg von seinen Artgenossen hin zum Menschen bewegt. Er ist nun

sein Sozialpartner, ihm gilt seine Loyalität und Kooperation.

Auch optisch hat sich viel verändert: Es gibt mittlerweile etwa 400 Hunderassen. Manche von ihnen haben eingedrückte Nasen, kurze Schwänze oder riesige Augen. Manche Merkmale beeinträchtigen sogar die Gesundheit der Tiere.

Wir legen unseren Hunden Halsbänder und Leinen an, bestimmen ihre Essens und Gassi Zeiten. Wir gehen mit ihnen zum Tierarzt, kuscheln auf dem Sofa und bringen ihnen Kunststückchen bei. Nur bei der Fütterung sind viele der Meinung, dass sie wieder einen Wolf und Jäger zuhause auf dem Sofa sitzen haben. Und mal unter uns gesagt. Die Vorstellung, dass ein Rudel Malteser versucht, ein Rind zu jagen, lässt uns doch etwas schmunzeln ?

Selbst Straßenhunde schließen sich lieber dem Menschen an und ernähren sich von ihren Abfällen anstatt selber zu jagen. So wie der Wolf es vor vielen Jahrzehnten getan hat. Das Leben mit dem Menschen schont Ressourcen und ist somit Art erhaltend.


C. Kaul


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