Die Blicke unserer Hunde
- zumlorcheborn
- 9. Okt. 2024
- 3 Min. Lesezeit

Der fordernde Blick
Dieser Blick ist oft direkter und durchdringender. Er tritt auf, wenn der Hund etwas erwartet sei es Futter, Aufmerksamkeit oder ein Spiel. Der fordernde Blick ist oft Teil des Bettelverhaltens, das Hunde entwickeln, wenn sie lernen, dass Menschen auf Augenkontakt reagieren.
Der unruhige oder unsichere Blick
Wenn Hunde unsicher oder ängstlich sind, kann ihr Blick unruhig werden. Sie vermeiden oft den direkten Augenkontakt und können gleichzeitig eine angespannte Körperhaltung einnehmen. Dieser Blick wird oft begleitet von anderen Stresssignalen wie Zittern, Gähnen oder Lecken.
Der neugierige Blick
Dieser Blick tritt auf, wenn Hunde etwas Neues entdecken oder nicht sicher sind, was passiert. Die Augen sind weit geöffnet, der Kopf ist möglicherweise leicht geneigt. Der neugierige Blick zeigt, dass der Hund Informationen sammelt und die Situation analysiert.
Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Forschung über das Verhalten von Hunden hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, und viele Studien bestätigen, dass Hunde durch ihren Blick und das Kopfneigen aktiv versuchen, mit Menschen zu kommunizieren und ihre Umgebung besser zu verstehen.
Studie zur Sprachverarbeitung bei Hunden: In der bereits erwähnten Studie des Family Dog Project wurde festgestellt, dass besonders sprachbegabte Hunde häufiger den Kopf neigen, um menschliche Worte besser zu verstehen. Dies zeigt, dass das Kopfneigen nicht nur eine Reaktion auf Geräusche ist, sondern auch eine Art der kognitiven Verarbeitung.
Studie zu Augenkontakt und Bindung: Die Forschung, die im Journal of Science veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Blickkontakt zwischen Hunden und ihren Besitzern eine Schlüsselrolle in der emotionalen Bindung spielt. Oxytocin, das Bindungshormon, wird sowohl bei Hund als auch Mensch vermehrt ausgeschüttet, was die soziale Interaktion stärkt.
Kopfschwenken bei Hunden: Eine weitere Studie der University of British Columbia (2017) befasste sich mit dem Kopfneigen bei Hunden. Die Forscher fanden heraus, dass Hunde den Kopf neigen, um visuelle Hindernisse zu umgehen. Hunde mit flacheren Gesichtern, wie Bulldoggen oder Möpse, neigen seltener den Kopf, was darauf hindeutet, dass Hunde mit längeren Schnauzen den Kopf schwenken, um besser zu sehen.
Mythen über das Starren und Kopfneigen bei Hunden
Mythos 1: Wenn ein Hund Dich anstarrt, bedeutet das Aggression.
Fakt: Nicht jeder intensive Blick eines Hundes ist ein Zeichen von Aggression. Hunde starren ihre Besitzer oft aus Neugier, Zuneigung oder in Erwartung eines Kommandos an. Ein aggressiver Blick ist in der Regel von anderen Körpersignalen begleitet, wie steifen Bewegungen oder Knurren.
Mythos 2: Hunde neigen den Kopf nur, um süß auszusehen.
Fakt: Obwohl das Kopfneigen süß wirkt, tun Hunde dies in der Regel, um besser zu hören oder visuelle Informationen besser zu verarbeiten. Es hat eine funktionale Bedeutung, wie Studien zeigen, dass Hunde durch das Neigen des Kopfes Geräusche besser lokalisieren können.
Mythos 3: Wenn ein Hund den Kopf neigt, ist er verwirrt.
Fakt: Das Kopfneigen signalisiert nicht unbedingt Verwirrung. Hunde neigen den Kopf, um Sprache zu verarbeiten oder Geräusche besser zu hören. Es ist ein Zeichen von aktiver Wahrnehmung, nicht unbedingt von Unsicherheit oder Verwirrung.
Mythos 4: Hunde starren, um Dominanz zu zeigen.
Fakt: Ein dominanter Blickkontakt ist selten. Hunde starren Menschen oft an, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen oder in Erwartung einer Belohnung oder eines Kommandos. Nur in seltenen Fällen ist das Starren ein Zeichen von Dominanz.
Mythos 5: Hunde verstehen nicht wirklich, was wir sagen, wenn sie uns anstarren.
Fakt: Hunde können viele menschliche Wörter erkennen, besonders solche, die mit bestimmten Aktionen oder Belohnungen verbunden sind. Ihr intensiver Blick zeigt oft, dass sie versuchen, unsere Worte zu verstehen oder unsere nächsten Handlungen vorherzusagen.
Fazit: Ein Mix aus Kommunikation, Verstehen und Zuneigung
Das Starren und das Neigen des Kopfes bei Hunden sind weit mehr als nur niedliche Verhaltensweisen. Sie zeigen die hochentwickelte Kommunikationsfähigkeit von Hunden, die aktiv versuchen, ihre Umgebung und ihre Menschen zu verstehen. Der intensive Blick eines Hundes kann Zuneigung, Aufmerksamkeit, Erwartung oder auch Unsicherheit signalisieren, während das Kopfneigen eine Möglichkeit ist, besser zu hören oder zu sehen.
Studien bestätigen, dass diese Verhaltensweisen eine starke emotionale Komponente haben und zur Stärkung der Bindung zwischen Hund und Mensch beitragen. Wenn Dein Hund Dich also das nächste Mal intensiv anstarrt oder seinen Kopf schräg legt, kannst Du sicher sein, dass er aktiv versucht, mit Dir zu kommunizieren oder etwas besser zu verstehen.
C. Kaul
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