Die Deutsche Dogge
- zumlorcheborn
- 23. Aug. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Okt. 2024

Die Deutsche Dogge entstand aus Kreuzungen zwischen Windhunden und Mastiffs und wurde gezüchtet, um Geschwindigkeit und Kraft zu vereinen und einen Jagdhund zu kreieren, der schnell genug ist, Großwild wie Hirsche, Wildschweine und Bären zu jagen und stark genug, um es zu packen und so lange fest zu halten, bis der Jäger kam, um es mit seiner Lanze zu töten.
Eigenschaft | Details |
Größe | 72 cm - 80 cm |
Lebenserwartung | 6,5 Jahre - 8 Jahre |
Fellfarben | gelb und/oder gestromt gefleckt und/oder schwarz blau |
Fellstruktur | kurz |
Wichtigste Charaktereigenschaften | freundlich, liebevoll und anhänglich |
Aktivitätslevel | mittel |
Pflegeaufwand | mittel |
Ausschnitt aus: “Eine Sau Hatz” von Ridinger, um 1750
Im ersten deutschen Standard für die Deutsche Dogge von 1880 wurde das Allgemeine Erscheinungsbild folgendermaßen beschrieben: „Die Deutsche Dogge vereinigt in ihrer Gesamterscheinung Größe, Kraft und Eleganz wie kaum eine andere Hunderasse. Sie hat nicht das plumpe und schwerfällige des Mastiffs, ebenso wenig die zu schlanke und leichte, an den Windhund erinnernde Form, sondern hält die Mitte zwischen beiden Extremen.“ Auch der aktuelle FCI Standard fordert immer noch diese Balance zwischen Geschwindigkeit und Kraft typ.

Bullenbeißer sowie die Hatz und Sau Rüden anzusehen, die ein Mittelding zwischen dem starken Mastiff englischer Prägung und einem schnellen, wendigen Windhund waren. Die Deutsche Dogge vereinigt in ihrer edlen Gesamterscheinung bei einem großen, kräftigen und wohlgefügten Körperbau, Stolz, Kraft und Eleganz. Durch Substanz, gepaart mit Adel, Harmonie der Erscheinung, mit einer
wohlproportionierten Linienführung sowie mit ihrem besonders ausdrucksvollen Kopfwirkt sie auf den Betrachter wie eine edle Statue. Sie ist nicht grobschlächtig oder zu elegant. Ihr Geschlechtsgepräge ist klar definiert. Sie ist der Apoll unter den Hunderassen. ”FCI-Standard Nr. 235 für die Deutsche Dogge

Mit der Einführung von Schusswaffen und der Ausrottung von Bären und anderem Großwild verlor die Deutsche Dogge nach und nach ihre ursprüngliche Funktion und wurde zum Haus und Hofhund. Ihr Erscheinungsbild konnte sie aber dennoch bewahren und auf der ganzen Welt wurde bis in die 1980er Jahre ein einheitlicher Typus gezüchtet:
Auch der Standard für die Deutsche Dogge ist weltweit so gut wie identisch und hat sich über die letzten 130 Jahre kaum verändert. Für den Doggen Züchter stellt diese Balance zwischen zwei Extremen eine besondere Herausforderung dar. Leichte Abweichungen in das eine oder andere Extrem lassen sich bei der Zucht kaum vermeiden. Doch für den Züchter sollte das Ziel immer das Mittelmaß sein. In den letzten 30 Jahren hat sich das Aussehen der Dogge aber in einigen Teilen Mitteleuropas massiv verändert. Ganz gezielt wird die Dogge immer mehr zu einem Mastiff Mastino mit etwas längeren Beinen umgewandelt.
Vergleich des klassischen Typus mit der über typisierten Dogge. Deutlich sind die lose, faltige Haut, der Speichelfluss und die Augenprobleme zu erkennen.
Begonnen hat dieser Trend in Frankreich und Italien und hat sich nun über ganz Mitteleuropa ausgeweitet, selbst bis nach Amerika werden die sogenannten Euro Danes für teures Geld verkauft, da sie angeblich die „originalen“ Doggen sind und viel besser und gesünder als die Amerikanischen. In Wirklichkeit wird hier aber ganz bewusst am geltenden FCI Standard für die Deutsche Dogge vorbei gezüchtet mit dem Ziel, möglichst gewinnbringend Welpen des „neuen Typus“ zu verkaufen. Selbst auf den Ausstellungen werden diese Hunde, die laut Standard eigentlich schwere bis disqualifizierende Fehler haben, wie Ektropium, Kehl haut, Flatterlippen, kurzer Fang, dicker Hals mit Kehl haut, runder Oberkopf usw. nach vorne gestellt und werden zu Multichampions ernannt. Leider hat sich daran bis heute trotz einiger Initiativen besorgter Doggen Liebhaber weltweit nicht viel geändert, Weltsieger wurde der am stärksten über typisierte Rüde.
Im Vergleich dazu ein Champion aus den 1920er Jahren: Bosko von der Saalburg. Dieser Rüde galt damals als ideale Deutsche Dogge und hat das Erscheinungsbild der Rasse vereinheitlicht und gefestigt. Er wurde sehr häufig eingesetzt (300 Nachkommen, sein Sohn Dolf von der Saalburg hatte sogar 521 Nachkommen), was sich negativ auf die genetische Vielfalt der Rasse auswirkte (siehe moderne Zucht).
Viele Hunderassen, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, die ihre Form einst bestimmt hat, wurden von der allzu eifrigen „Gestaltungslust“ des Menschen zu Karikaturen ihrer selbst gezüchtet. (Dieses Thema wird auch im Dokumentarfilm „Freund oder Feind“ von Ruth Stolzewski intensiv behandelt). Schuld daran ist das moderne Ausstellungswesen, in dem eben nicht der Hund gewinnt, der dem Rassestandard am nächsten kommt und somit am durchschnittlichsten ist sondern der extremste, auffälligste Hund. Dieser Hund wird dann als Champion häufig als Deckrüde eingesetzt und so findet eine schleichende „Übertypisierung“ statt. Somit führt sich das System der FCI (Federation Cynologique Internationale, Internationaler Dachverband der Rassehundezucht), das gegründet wurde, um Hunderassen zu erhalten, selbst ad absurdum. Um diese Absurdität zu verbildlichen hat Ruth Stolzewski im Jahr 2014 einen kleinen Comic gezeichnet.
Doch nicht nur aus ästhetischen und historischen Gründen muss der Übertypisierung endlich Einhalt geboten werden. Diese hat oft auch schlimme Konsequenzen für die Gesundheit der Hunde. Bei der Dogge sind dies vor allem massive Augenprobleme durch Ektropium, Entropium etc, lose, teils faltige Haut hervorgerufen durch ein schwaches Bindegewebe, das auch andere Teile des Körpers betrifft (und z.B. im Verdacht steht, Magendrehungen zu begünstigen), Gelenk und Rückenprobleme durch eine deformierte Anatomie und ein zu hohes Gewicht etc. Somit wird die eh schon viel zu kurze Lebenserwartung der Dogge noch weiter gesenkt und den Hunden und ihren Besitzern viel Leid angetan.
Eigentlich laut Standard disqualifizierende Augenfehler von Doggen, die auf Ausstellungen die höchste Formwertnote “vorzüglich” erhalten haben.
Augen: Mittelgroß, mit lebhaftem, klugem, freundlichem Ausdruck, möglichst dunkel, mandelförmig mit gut anliegenden Lidern.
SCHWERE FEHLER: Augen, Lose Lider, zu stark gerötete Bindehäute. DISQUALIFIZIERENDE FEHLER: Augen, Ektropium, Entropium, Makroblepharon. Dennoch haben alle Hunde auf Ausstellungen die höchste Formwertnote erhalten!
FCI Standard Nr. 235 für die Deutsche Dogge
Der Zweck des Standard führenden Vereins Deutscher Doggen Club DDC 1888 e.V. ist laut Satzung:
die Reinzucht der Rasse Deutsche Dogge nach dem von ihm festgelegten und bei der F.C.I. hinterlegten (gültigen) Standard Nr. 235. Demgemäß fördert der DDC alle Bestrebungen, die der Erfüllung dieses Zweckes dienen. Dabei ist Grundlage die Erhaltung und Festigung dieses Rassehundes in seiner Rassereinheit, seinem Wesen, seiner Konstitution und seinem formvollendeten Erscheinungsbild. Satzung des DDC 1888 e.V.
Leider hat der DDC es aber bisher versäumt, der Übertypisierung der Deutschen Dogge und der gezielten Ignorierung des FCI Standards von einigen Züchtern und Richtern effektiv Einhalt zu gebieten. Darum wurde im Jahr 2016 eine Online Petition in Form eines offenen Briefes an den FCI Präsidenten gestartet von der irischen Doggen Züchterin und FCI-Richterin Maria Gkinala. Sie hatte mit über 3000 Unterschriften eine hohe Beteiligung: Seit einigen Jahren klärt Maria Gkinala auch in einer Facebook Gruppe und einem Blog über das Thema Übertypisierung der Deutschen Dogge auf. Auch der Amerikanische Doggen Club GDCA (Great Dane Club of America) hat im Oktober 2016 einen Brief an den FCI-Präsidenten geschrieben mit der Bitte, die Deutsche Dogge zu retten. Glücklicherweise wird die Deutsche Dogge weiterhin in den meisten Teilen der Welt gemäß des Standards im klassischen Typus gezüchtet, dazu gehören die USA, Kanada, Australien, große Teile Südamerikas und Asiens und Skandinavien. Dort sehen die Hunde noch so aus, wie sie bei uns vor hundert Jahren und mehr aussahen und ein Import von Hunden aus diesen Regionen kann dazu beitragen, den Typus auch hierzulande wieder zu festigen. (Auch in Mitteleuropa gibt es noch Züchter, die den klassischen Typus bevorzugen, doch sind diese leider momentan in der Minderheit).
C. Kaul
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