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„Die Persönlichkeit des Hundes“

  • Autorenbild: zumlorcheborn
    zumlorcheborn
  • 26. Sept. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt. 2024

„Die Persönlichkeit des Hundes“ dreht sich um die Frage, inwieweit die Fellfarbe verschiedene Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst. Während der Recherche zu diesem Thema bin ich über die Aussagen gestolpert wie „schwarze Hunde sind eher selbstsicher und handeln in Gefahrensituationen aktiv“, „blonde und rote Hunde sind stressanfällig und nervös“ oder „Hunde mit Agouti Gen haben eine doppelte Anfälligkeit für Panik und emotionale Instabilität“. Erklärt werden diese angenommenen Zusammenhänge mit den gemeinsamen Produktionswegen von Melanin (dem Pigmentstoff) sowie den Hormonen Noradrenalin und Adrenalin und dem Neurotransmitter Dopamin. Auf den ersten Blick klingt das auch erstmal recht nachvollziehbar. Aber so einfach ist dann eben doch nicht.

Die Grundlagen der Fellpigmentierung

Fangen wir mal bei den Grundlagen an:

Die Fellfarbe eines Hundes wird vor allem durch die Pigmente Eumelanin und Phäomelanin bestimmt, welche aus der Aminosäure Tyrosin gebildet werden. Tyrosin wird in mehreren Schritten mit Hilfe des Enzyms Tyrosinase über die Stoffe Dopa und Dopaquinon zu Eumelanin und Phäomelanin umgewandelt. Eumelanin färbt dabei die Haare schwarz, während Phaeomelanin die Haare gelblich bis rötlich erscheinen lässt. Weiße Haare besitzen keines der beiden Pigmente. Die Intensität und Verteilung der Pigmente im Fell des Hundes wird von mehreren verschiedenen Genen gesteuert, die sich auch gegenseitig beeinflussen.

Sowohl Tyrosin als auch das Enzym Tyrosinase sind ebenso an der Bildung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin sowie des Neurotransmitters Dopamin beteiligt. Diese Gemeinsamkeiten in den Synthesewegen führt häufig zu der Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Melanin und dem Verhalten geben müsse.

Syntheseweg Eumelanin und Phäomelanin

Außerdem liegen den oben getätigten Aussagen die Annahmen zu Grunde, dass Phäomelanin Cortisol Bindungsstellen im Gehirn und Rückenmark beeinflusst und Eumelanin einen Einfluss auf Bindungsstellen im Adrenalin oder Noradrenalin Stoffwechsel hat. Zusätzlich werden die sogenannten Melanocortine als mögliches Bindeglied zwischen Fellfarbe und Verhalten in Betracht gezogen. Melanocortine sind Hormone, die an verschiedenen Typen von Rezeptoren binden können und unterschiedliche Effekte bewirken, u.a. die Pigmentproduktion aber auch die Stresshormonproduktion. Ein Zusammenhang scheint also plausibel.

Klingt spannend, dachte ich und machte mich an Nachforschung und googelte mich durch verschiedene Studien. Ich habe keine Studie, die tatsächlich belastbar einen Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Verhalten beim Hund nachweist. Es gibt zwar ein paar Studien, die einen Zusammenhang herleiten, aber die Begründungen sind nicht wirklich nachvollziehbar! Wirklich aussagefähige Studien sind eigentlich kaum machbar, denn man müsste ja eine wirklich große Zahl an Welpen (am besten jeweils der gleichen Rasse oder sogar der gleichen Linien) unterschiedlicher Farben unter identischen Umweltbedingungen aufziehen, um wirklich vergleichen zu können in der Praxis ist dies nicht machbar. Es gibt so viele Einflüsse, die auf die Verhaltensentwicklung eines Hundes einwirken. Die Rechnung „Melanin sowie Adrenalin und Thyroxin entstehen alle aus Tyrosin, darum muss es auch einen Zusammenhang im Verhalten geben“ ist viel zu simpel. Selbst Albinos, die ja keine oder nur sehr eingeschränkt Tyrosinase produzieren, produzieren normale Mengen Adrenalin, da in ihren Nebennieren eine andere Tyrosinase Form produziert wird als in den Pigmentzellen. Und die viel zitierten MC1R (Melanocortin) Rezeptoren sitzen in den Pigmentzellen, die Melanocortin Rezeptoren in der Nebennierenrinde hingegen sind andere (MC2R). Weitere Melanocortinrezeptoren sitzen im Nervensystem (MC3R, MC4R). Also, wie gesagt, ich bin ziemlich zurückhaltend, wenn es darum geht, einen Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Verhalten herzuleiten.

Die menschliche Wahrnehmung

Außerdem fehlt auch noch ein ganz entscheidender Faktor in dieser Rechnung: Der Mensch und seine Wahrnehmung. So zeigen Studien, dass wir beispielsweise blonde Hunde als freundlicher und emotional stabiler wahrnehmen, als schwarze Hunde. Entgegen dieser Wahrnehmung zeichnet sich bei Hunden und Wölfen ein anderes Bild: Sowohl schwarze Hunde, als auch schwarze Wölfe zeigen weniger Aggressionsverhalten. Während in einer älteren Studie ein niedriger Cortisolwert in schwarzhaarigen Hunden gefunden wurde, konnten diese Unterschiede in einer aktuellen Studie nicht bestätigt werden.

Auch innerhalb verschiedener Rassen kann man Verhaltensunterschiede bei verschiedenfarbigen Rassevertretern beobachten. So zeigen zum Beispiel braune Labradore eine höhere Erregbarkeit, eine niedrigere Trainierbarkeit sowie häufiger auffällige Verhaltensweisen als ihre schwarzen oder gelben Rassegenossen. Dafür scheinen sie aber seltener von Furcht vor Geräuschen betroffen zu sein. Es bleibt allerdings offen, warum sich diese Unterschiede zeigen. Es wäre zum einen denkbar, dass die Mutation in dem Gen (TYRP1), die für die braune Farbe beim Labradort verantwortlich ist, auch einen Einfluss auf das Verhalten hat. Allerdings gibt es keinerlei Studien, die diesen Zusammenhang darlegen. Vermutlich wahrscheinlicher wäre es, dass die wenigen Hunde, auf die der braune Farbschlag zurückgeht, bestimmte Verhaltensweisen mitbrachten, die sich in der braunen, aber nicht in der schwarzen oder gelben Population verbreitet haben. Ähnlich könnte man sich den Zusammenhang bei anderen Modefarben vorstellen. Hunde in „Modefarben“ (also z.B. chocolate oder merle) gelten oft als „hibbeliger“ als die klassischen Standardfarben. Meiner Ansicht nach spielt aber eher eine Rolle, dass diese Modefarben eher gezielt (und zum Teil auch von eher unseriösen Vermehrern) gezüchtet werden, die Zuchttiere werden in solchen Fällen vorrangig nach der Fellfarbe (und weniger nach anderen Gesichtspunkten wie Wesen oder Gesundheit) ausgewählt, da sich diese Farben zur Zeit einfach sehr gut und zu horrenden Preisen verkaufen, und es wird nicht immer viel Mühe in die Sozialisierung gesteckt. Zudem suchen sich viele Käufer von Modefarben die Welpen vor allem nach der Farbe aus und suchen tendenziell auch eher ein „Accessoire“, investieren darum weniger Mühe in die Erziehung. Wenn man sich bei Rassen umsieht, in denen es klassischerweise braune und schwarze Hunde gibt (z.B. beim Deutsch Kurzhaar), so sind dort keine Wesensunterschiede zwischen braunen und schwarzen Hunden bekannt.

Es scheint also zum jetzigen Zeitpunkt keine hinreichende wissenschaftliche Grundlage zu geben, die einen klaren Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Verhalten darstellt. Annahmen, dass „gelbe Hunde panischer“ und „schwarze Hunde selbstbewusster“ seien, sind demnach aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.


C. Kaul


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