Einmal aus der Sicht eines Hundes!
- zumlorcheborn
- 9. Nov. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Nov. 2024

Einmal aus der Sicht eines Hundes (wie ich es mir Vorstelle!)
Stell dir bitte mal folgendes vor: Es kommt ein großer Hund auf mich zu und ich bekomme gleich mal ein bisschen Muffen Sausen. Mein Herz schlägt direkt schneller, mein Maul geht zu und ich atme schneller (alles Zeichen für wachsende Anspannung, ausgelöst durch meine Angst vor großen Hunden). Ich möchte nur eins: Der soll bitte nicht näherkommen!
Ich versuche ihm das unmissverständlich in hündisch klar zu machen. Ich stelle mich aufrecht hin, drücke meine Beine durch (dadurch wirke ich größer und bedrohlicher), Rute ist richtig schön oben, ich richte mich frontal zu ihm aus und ich gucke den anderen direkt an.
Naja, zumindest versuche ich das so zu machen. Meist trau ich mich dann doch nicht so richtig, ich steh nicht richtig frontal ausgerichtet oder meine Ohren sind nach hinten gezogen. Vielleicht ist aber auch der andere einfach zu aufgeregt, um auf meine Körpersignale reagieren zu können. Der kommt nun immer näher und dann kommt der Punkt, da kapier ich: oh Shit! Der kommt jetzt wirklich direkt zu mir hin!
Das lässt mich komplett einfrieren, genauso, wie ich gerade dastehe. In dem Moment bin ich absolut handlungsunfähig. Ich steh da wie gelähmt und er kommt direkt an mich ran. Nun schaff ich vielleicht gerade noch meine Ohren (noch weiter) und meinen Körperschwerpunkt nach hinten zu ziehen, manchmal ziehe ich auch meinen Kopf noch ein Stückchen zurück, ABER: meine Pfoten sind wie an getackert auf der Erde und ich kann mich einfach nicht weg bewegen.
Meine Schnauze ist immer noch geschlossen, ich beiße die Zähne fest aufeinander. Menno, manchmal möchte ich einfach dann mal voll aus der Haut fahren, los bellen und dem anderen zeigen, wo der Haken hängt. Aber ich trau mich nicht. Ich steh da mehr oder weniger ausgeliefert und hoffe einfach nur, dass die Situation schnell vorbei geht und ich unbeschadet da rauskomme.
Du hast jetzt vermutlich vor deinem inneren Auge ein Bild, wie ich in der Situation dastehe und fragst dich, warum ich so ganz anders aussehe als der ängstliche Hund, den Corinna hier beschrieben hat. Ich versuche dir das mal zu erklären. Also, meine Grundemotion in der beschriebenen Hundebegegnung ist Angst. Ich hab einfach Angst, dass der andere Hund mir was tut.
Ist er noch weit genug weg, dann fühle ich mich mutig genug, ihm durch meine Körpersprache zu drohen, in der Hoffnung, dass er abdreht und verschwindet. Frei nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung. Merke ich dann, dass ich die falsche Strategie gewählt habe, ist es für eine Flucht einfach schon zu spät, weil der andere fast da ist jaja, ich hab bis zum Ende gehofft, er dreht doch noch ab und verschwindet! Und dann siehst du, wie immer mehr Körpersprache bei mir sichtbar werden. Flüchten kann ich aber nicht mehr, weil ich wie gelähmt dastehe. Wuhahh, wirklich gruselig für mich!
Jetzt fragst du dich vielleicht, warum ich dir das überhaupt erzähle. Naja, damit dir bewusst wird, dass auch Hunde, die nicht bellend und wild keifend auf andere Hunde zuspringen, ein Problem haben können und Hilfe brauchen. Siehst du so einen Hund, der auf Entfernung schon wie ich „droht“, dann gib ihm doch einfach den Abstand, den er braucht und laufe mit deinem Hund einen Bogen und eben nicht direkt auf ihn zu. Hast du selbst einen Hund, dann schütze ihn und bringe ihm bei, dass er nicht in die Situation muss, wenn er es nicht schafft.
C. Kaul
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