Erblichkeit von Verhalten
- zumlorcheborn
- 26. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. März

Nachfolgend möchten wir euch erklären, warum man bei 8 Wochen alten Welpen oder besser gesagt bei 5 Wochen alten Welpen, wenn ihr sie besuchen kommt noch nicht vom Charakter sprechen kann.
Die Erblichkeit von Verhalten ist bei Hunden erstaunlich gering. Die Erblichkeit der Grundpersönlichkeit so ziemlich aller Lebewesen liegt bei ca. 30 bis 35 %. Die individuelle Persönlichkeit liegt bei 20 % Erblichkeit. Individuelle Verhaltensweisen werden mit ca. 3 bis 5 % vererbt. Das bedeutet, dass man bei individuellen Verhaltensweisen nur eine sehr geringe Aussage von den Vorfahren ableiten kann.
Stamp und Grotes zeigten 2010, dass die Erblichkeit sich durch verschiedene Umwelteinflüsse ändern.
Die Eigenschaft, hüten zu können bei Hütehunden vererbt sich z.B. nur mit 3 bis 5 %, was eine Untersuchung eines Leistungswettbewerbes von Border Collies zeigte (Hoffmann, 2000). Schäfer und Border Collie Züchter bestätigen, dass die Kreuzung zweier Leistungssieger noch lange keinen Nachwuchs ergeben, der ebenso gut an der Herde arbeitet.
Brade (2003) und Hart (1995) entdeckten ähnliche Erblichkeit zwischen 5 und 12 % bei Jagdhunden, beispielsweise beim Verfolgen und Apportieren.
Typ A
Der A Typ ist der wagemutige, kühne Typ und reagiert in unbekannten Situationen meist mit Erkundungsverhalten. In Stresssituationen wird er versuchen, eine Situation eigenständig zu klären und das Problem durch Flucht oder Kampf zu lösen. Sie neigen zu Herzkreislauf und Gefäßverschluss Erkrankungen. Außerdem sind diese Typen bei Stress oft untergewichtig.
Typ B
Der B‑Typ ist scheu und zurückhaltend, beobachtet aus der Distanz. Sie neigen eher zu Organerkrankungen im Bereich des Stoffwechsels wie Diabetes und Leberschäden. Außerdem sind diese Typen wegen der Verknüpfung des Cortisolsystems und des Immunsystems anfälliger für Infektionen und Parasiten.
Qualität des Lebensraumes
Auch der Lebensraum eines Welpen hat auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit Auswirkungen. Es wurde z.B. gezeigt, dass Ratten und Mäuse, die für die Entstehung von Demenzerkrankungen gezüchtet wurden, diese in isolierter Umgebung bereits als Jungtiere zeigten. Setzte man diese Tiere aber in interessante, abwechslungsreiche Gehege entwickelten sie diese Krankheit nicht. Interessant daran ist, dass wenn man diese in interessanter Umgebung aufgewachsenen Tiere und ihre Kinder wieder in eine langweilige Umgebung setzt sie dann entweder keine oder nur in abgeschwächter Form Demenzkrankheit entwickelten. Erst nach 2 bis 3 Generationen Aufzucht in langweiliger Umgebung war ihre Wahrscheinlichkeit an einer Demenzkrankheit zu erkranken wieder ähnlich hoch wie ihre die ihrer Urvorfahren.
Auch die Ausbildung von Kurzzeit und Langzeitgedächtnis wird in interessanten Umgebungen gefördert.
Es ist also extrem wichtig, dass unsere Hunde in interessanten, abwechslungsreichen Umgebungen aufwachsen und nicht in einem dunklem vor Außenreizen geschützten Verschlag aufwachsen!
Säuge Stellung der Mutter
Auch die Säuge Stellung der Mutter hat Einflüsse auf die Welpen. Wenn die Mutter in den ersten Tagen im Stehen säugt, weil sich die unsichere, gestresste Mutter zum Säugen nicht entspannt hinlegt, dann registrieren die Welpen dies über ihre Nackenmuskulatur, die die erzwungene Säuge Stellung ans Gehirn meldet.
Die Zellen im Hauptstresszentrum werden dadurch angeregt sich vermehrt zu teilen. Die Rezeptoren für das Oxytocin werden verringert.
Es entstehen dann Stress anfälligere Jungtiere! Es ist also enorm wichtig, dass der Züchter für ein ruhiges, stressarmes Umfeld sorgt, in dem die Mutter sich fürsorglich um die Welpen kümmern kann.
Im Alter von 3/4 Wochen gehört es durchaus zum mütterlichen Stressprogramm, wenn die Welpen sich zum Säugen strecken müssen, deshalb säugen die Hündinnen im Sitzen oder Stehen.
Biologisch hat dies durchaus ihren Sinn. Wenn eine Hündin in Gefahrensituationen Welpen großziehen muss, dann ist es für die Welpen über lebenswichtig wenn sie selber etwas vorsichtiger sind.
Trennung von der Mutter
Jungtiere, die kurzfristig von der Mutter getrennt waren, zeigen später einen Entwicklungsschub. Jungtiere, die allein gelassen werden, melden sich besonders stark und bekommen so wieder die Aufmerksamkeit z.B. pflegen und putzen der Mutter und dadurch entsteht dann der Entwicklungsschub.
Dies gilt aber nur für kurzfristige Abwesenheit. Wird die Mutter gezwungen längere Zeit nicht zu ihren Welpen zu dürfen, führt dies genau zum Gegenteil. Die Welpen werden besonders unsicher, stressanfälliger und wenig selbstsicher. Deshalb sollte man bei Tierarztbesuchen die Welpen immer mitnehmen. Spaziergänge sind in den ersten Tagen nach der Geburt ebenfalls aus den oben genannten Gründen kontraproduktiv.
Die Hündin lebt meist sehr gut vor, in welchen Schritten die Abnabelung zu erfolgen hat.
Töchter von sicheren, souveränen Müttern, werden ebenfalls sicher und souverän und dementsprechend entstehen auch wieder sichere und souveräne Enkelinnen. Durch Kreuzaufzuchten, also eine sichere Hündin erzieht Welpen einer unsicheren Mutter, entstehen ebenfalls sichere Hündinnen. Dieser Prozess ist also nicht genetisch vorherbestimmt.
Nimmt man jemanden sofort nach dem Erwerb eines Lexikons sein Lexikon weg, wird jemand anderes eben andere Randbemerkungen darin machen.
Es zeigt sich also, dass Persönlichkeit durch ein Zusammenspiel von genetischer Disposition, Umweltfaktoren und letztendlich auch den individuellen Eigenschaften des Hundes, entsteht.
Da Persönlichkeitsmerkmale polygen, d.h. durch mehrere Gene, vererbt werden, besteht auch nur eine sehr geringe Chance durch Zuchtselektion die Persönlichkeit zu beeinflussen. Wenn es eine Möglichkeit gibt Verhalten züchterisch zu ändern, müssten Alles-Oder-Nichts-Entscheidungen getroffen werden und ein Hund mit wünschenswertem Verhalten müsste in die Zucht genommen werden, egal ob er anderen rassetypischen Eigenschaften entspricht. Genauso wie ein vielleicht hübscher Hund mit weniger wünschenswertem Verhalten aus der Zucht verbannt werden müsste. So bestünde eine Chance das Verhalten innerhalb von 10–15 Generationen zu ändern. Bei Rottweilern in den Niederlanden konnte die Aggressionsbereitschaft und Stressanfälligkeit in ca. 15 Jahren verbessert werden (van der Borg, 2010).
Die Frühsozialisierung bereits während der Trächtigkeit im Mutterleib und in den ersten Lebenstagen nach der Geburt und letztendlich auch die Aufzucht beim Züchter muss eine ganz besondere Bedeutung zugemessen werden.
Die Persönlichkeitseigenschaften, sei es die Grundpersönlichkeit oder die individuelle Persönlichkeit sind also kein Schicksal, sondern sind nur eine von vielen beeinflussbaren Faktoren!
Noch mal im Klartext um diesen Irrglauben endlich zu beseitigen: Die Persönlichkeit eines Hundes entwickelt sich hauptsächlich durch die Erfahrungen, die ein Hund macht und durch die Erziehung, die wir ihm zuteil haben lassen. Die vollständige Persönlichkeit und Charakter eines Hundes lässt sich erst mit etwa 2 Jahren feststellen, deshalb können wir als Züchter nicht sagen welcher Welpe sich zum Therapiehund, Agility Champion etc. eignet. Jeder Welpe, dem ihr ein Zuhause gebt, ist ein Roh-Diamant, der gewisse Anlagen mitbringt, aber den ihr zu einer Persönlichkeit schleifen müsst!
C. Kaul
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