Nahrungsergänzungsmittel
- zumlorcheborn
- 22. Aug. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Okt. 2024

Man findet sie mittlerweile in jedem Zoofachgeschäft, Nahrungsergänzungsmittel und Zusätze für Hunde. Mineralstoffmischungen, über Grünlipmuschel Extrakt bis hin zu Bio Hagebuttenmehl findet man eigentlich alles am Markt, was das Barfer Herz begehrt und braucht?
Um zu beurteilen, ob man ohne jegliche Zusätze barfen kann, muss man zunächst einmal definieren, was BARF überhaupt ist. Es gibt verschiedene Ansätze (Billinghurst, Simon etc.) und so verschieden wie die Ansätze sind, ist auch die Nährstoffversorgung der einzelnen Modelle. Die Aufteilung der Futterpläne nach „Tierischem und Pflanzlichem“ variiert sehr stark, manche Pläne beinhalten einen sehr hohen Knochenanteil, andere sehr viele Innereien. Es gibt viele Menschen, die jede Form der Rohfütterung BARF nennen, was nicht korrekt ist, denn BARF folgt bestimmten Regeln.
Nun zurück zur Frage, ob man beim Barfen wirklich Zusätze benötigt. Man kann sich dieser Frage auf zwei Wegen annähern. Einmal über den Naturansatz und einmal über einen Abgleich wissenschaftlicher Bedarfswerte. Der Naturansatz ist recht einfach, denn hier muss man sich lediglich die Frage stellen, ob ein verwilderter Haushund, wenn er sich beispielsweise von Ratten, Kaninchen & Co. ernähren würde oder auch ein Wolf, Zusätze bekäme. Offensichtlich nicht. Sämtliche Raubtiere fressen einfach nur ganze Beutetiere und nehmen damit alles auf, was sie benötigen. Barfen ohne Zusätze ist also theoretisch möglich. In der Praxis ist es aber leider nicht ganz so einfach, denn bei BARF füttert man eben keine ganzen Beutetiere, sondern baut sie nur nach vor allem füttert man in der Regel Schlachttiere, die nicht artgerecht gehalten und ernährt wurden, was sich negativ auf deren Nährstoffgehalt auswirkt.
Was fehlt eigentlich bei BARF im Gegensatz zum Beutetier?
Nun, zunächst einmal, ist es meist nicht möglich, sämtliche Teile vom Tier zu füttern. Selbst, wenn man im Supermarkt ein ganzes Suppenhuhn kauft, fehlen dort Innereien, der Kopf, die Füße usw. Man hat also nur eine begrenzte Auswahl und kann damit ein Beutetier auch nur beschränkt nachbauen. Man füttert bei BARF in der Regel nicht sämtliche Teile vom Tier. Es wird unter anderem auf die Fütterung von Kehlkopf verzichtet. Dieser enthält aber die Schilddrüse und damit 80 % des im Körper vorkommenden Jods. Das erfordert dann die Gabe von jodhaltigen Algen oder einer anderen Jodquelle. Außerdem machen wir Menschen eben den Fehler und füttern meist Fleisch aus sogenannter Massentierhaltung. Dies enthält einen viel geringen Anteil an Omega-3-Fettsäuren als Fleisch aus artgerechter Haltung. Das macht die Gabe von Omega-3-Fettsäurenlastigen Ölen erforderlich. Der Wolf im Wald kann sich das freilich sparen, aber er frisst ja auch kein Massentierhaltungsfleisch. Ähnlich sieht es mit der Vitamin-D-Versorgung aus. Fleisch aus Massentierhaltung enthält auch weniger Vitamin D, weil die Schlachttiere natürlich keinen Aufenthalt im Freien genießen. Damit enthält ihr Fleisch weniger Vitamin D. Zudem halten sich beispielsweise Wildhunde oder Wölfe ständig im Freien auf und haben können daher eine gewisse Eigensynthese betreiben, auch wenn die bei Hunden wenn überhaupt sehr gering ausgeprägt ist. Hier liegt der „Fehler“ darin, dass Familienhunde ihr Leben überwiegend in Häusern verbringen und meist auch Fleisch aus Massentierhaltung füttern. Das macht die Gabe von Lebertran oder Vitamin D reichem Fisch (z. B. Forellen, Sprotten) erforderlich. Einige Barfer geben außerdem noch Nüsse und Samen oder Kräuter hinzu.
Wie steht es um die Nährstoffdeckung bei BARF?
Betrachtet man nun die Bedarfsdeckung mit den wissenschaftlichen Bedarfswerten nach NRC (National Research Council) ergibt sich für einen BARF Plan mit den genannten Zusätzen für einen 35 kg schweren Hund, der täglich 2,2 % Futter bekommt, folgendes:
Wie man gut sehen kann, werden mit diesem BARF Plan nahezu alle Bedarfswerte gedeckt, bis auf Zink und Mangan. Auch das häufig „gefürchtete“, aber eigentlich irrelevante Ca, P Verhältnis wird angemessen eingehalten, es beträgt 1,5:1. Bei einigen Nährstoffen gibt es Überdeckungen, die jedoch die vom NRC angegebene Obergrenze nicht überschreiten und daher unproblematisch sind. Schauen wir uns nun die Nährstoffe an, die mit BARF vermeintlich nicht gedeckt werden.
Zink
Die Bioverfügbarkeit und die Absorption von Zink in der Nahrung werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dabei spielen diätische Antagonisten, die die Aufnahme von Zink stören (z. B. Phytinsäure, die in Getreide stark vorkommen oder hohe Magnesium und Calciumanteile in der Nahrung) eine Rolle, die Herkunft des Zinks (Zink aus Fleisch wird besser verwertet als Zink aus Getreide) und die generelle Zufuhr (je mehr zugeführt wird, desto weniger wird absorbiert und umgekehrt).
Die Bedarfszahl von 2 mg je kg Stoffwechselgewicht pro Tag geht von einer Bioverfügbarkeit von Zink in Höhe von 25 % aus[3], was für industriell hergestelltes Futter auch Sinn macht, weil es zu großen Teilen aus Getreide oder Soja besteht und meist im Hinblick auf Magnesium oder Calcium weitaus höhere Anteile aufweist als BARF. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass die Bioverfügbarkeit von Zink bei gebarften Hunden wesentlich höher liegt als nur bei 25 %, weil ihre Nahrung wesentlich weniger aufnahmestörende Faktoren beinhaltet. Geht man von höheren Raten aus, so sinkt der Bedarfswert und somit wäre der tatsächliche Bedarf eines gebarften Hundes gedeckt.
Nun könnte man meinen: was soll´s eine zusätzliche Gabe von Zink kann ja nicht schaden. Sicher ist sicher. Das mag bis zu einem gewissen Punkt richtig sein, aber ein Zinküberschuss kann zu einem sekundären Kupfermangel führen.
Ein Hund, der mit BARF ernährt wird, benötigt also keine zusätzlichen Zink Tabletten, um angemessen versorgt zu werden.
Was geschieht, wenn man die Zusätze weglässt?
Da die Frage beantwortet werden soll, ob man auch ohne Zusätze barfen kann, werde ich nun in den nächsten Schritten nach und nach die oben genannten Zusätze aus dem Plan entnehmen und die Nährstoffversorgung überprüfen.
Futterplan ohne Nüsse, Samen und Kräuter
Lässt man diese Komponenten aus dem Futterplan weg, zeigt die Tabelle eine leichte Unterversorgung mit Magnesium an. Aber stimmt das wirklich?
Magnesium
Auch die Absorption von Magnesium wird von der Aufnahme anderer Stoffe beeinflusst, so spielen auch hier die aufgenommene Menge an Phytinsäure aus Getreide und übermäßige Calciummengen eine Rolle. Der Bedarfswert für Hunde enthält bereits Sicherheitsaufschläge, die den Fakt berücksichtigen, dass Hunde Trockenfutter erhebliche Mengen an Getreide enthalten.
Für mit BARF ernährte Hunde liegen keine wissenschaftlichen Daten vor, es ist allerdings aufgrund der fleischbasierten Nahrung ohne Getreide von einem geringeren Bedarf auszugehen.
Futterplan ohne Lebertran
Streicht man den Lebertran (oder den Vitamin D haltigen Fisch) vom Speiseplan, weist dieser einen Mangel an Vitamin D auf. Aber stimmt das wirklich?
Vitamin D
Ob Hunde Vitamin D ausschließlich über die Nahrung aufnehmen müssen, wird kontrovers diskutiert. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hunde wie wir Menschen in der Lage sind, Vitamin D mit Hilfe von UV-Strahlung selbst zu synthetisieren jedenfalls in geringen Mengen. Andere Wissenschaftler behaupten das Gegenteil, nämlich, dass der Hund mit der Nahrung Vitamin D aufnehmen sollte. Der Hauptteil des Bedarfs muss aber auf jeden Fall über die Nahrung gedeckt werden. Hier kommt der Art der Nahrung dann eine große Bedeutung zu, denn vermutlich liefert Fleisch von Tieren, die viel Zeit an der Sonne verbringen, auch wesentlich mehr Vitamin D als Fleisch von Tieren, die ganztägig in Ställen gehalten werden. Im Gegensatz zu Hunden können Grasfresser sehr wohl Vitamin D über Sonnenstrahlung synthetisieren.
Füttert man Fleisch aus Weidehaltung und geht man davon aus, dass Hunde Vitamin D zumindest in Teilen selbst synthetisieren können, kann man auf die Gabe von Lebertran oder stark Vitamin D haltigem Fisch verzichten, sofern der Hund dann auch wirklich genügend Zeit im Freien verbringt. Da liegt meist die Krux, denn viele Hunde verbringen heute mehr als 20 h am Tag in geschlossenen Räumen (wer geht schon 5 oder 6 h am Tag spazieren?). Und nur wenige Tierhalter können ihre Tiere mit Weide oder Wildfleisch füttern. Führt man Lebertran zu, sollte man dies aber in Maßen tun, denn die darin enthaltenen Vitamine A und D sind fettlöslich und somit über dosierbar. Berechnen Sie die notwendige Menge an Lebertran am besten mit einem BARF-Rechner. Vitamin D haltigen Fisch kann man hingegen nicht überdosieren, allerdings bringt man damit ggf. mehr Schwermetalle (Seefisch ist häufig belastet) in den Hund.
Futterplan ohne See Algen
Streicht man auch noch die Algen vom Futterplan, so ergibt sich rechnerisch ein Jodmangel.
Jod
Auch bei Jod geht man von einer Interaktion verschiedener Mineralien aus. So beeinflussen hohe Gehalte an Calcium und Kalium die Absorption. Hunde scheinen jedoch recht anpassungsfähig in Bezug auf die Jodversorgung zu sein. So gab man Beagle Welpen über einen längeren Zeitraum lediglich 5 µg pro kg KM und sie entwickelten keine klinischen Symptome eines Jodmangels, allerdings veränderten sich die Schilddrüsenwerte der Tiere. Nach einigen Monaten hatten sich die Werte bei gleich bleibender Jodzufuhr wieder normalisiert. Eine andere Untersuchung ergab, dass Tiere, die nur mit Fleisch ernährt werden, auf Dauer ebenfalls veränderte Schilddrüsenwerte zeigen. Für erwachsene Hunde geht man daher von einem höheren Bedarfswert aus. Diese Werte sind mit Fleisch, Innereien, Knochen und Gemüse nicht zu erreichen.
Wie bereits erwähnt, würde beim Verzehr des gesamten Beutetieres der Jodbedarf über den Verzehr des Schilddrüsengewebes gedeckt werden. Da man das bei BARF nicht mit füttert, sollte man daher jodhaltige See Algen einsetzen. Auch hier ist es extrem wichtig, auf die Dosierung zu achten, denn Jod kann schnell überdosiert werden. Auch hier empfiehlt sich die Berechnung der Menge mit einem BARF Rechner, auch in BARF Büchern findet sich eine Tabelle, die die Dosierung leicht macht. Natürlich kann man die Menge auch über den Bedarf selbst ermitteln.
Futterplan ohne Öle
Entfernt man das Öl aus dem Futterplan, entstehen im Hinblick auf Mineralstoffe und Spurenelementen keine Defizite. Allerdings verschiebt sich das Fett Säuren Profil, welches dem Hund zur Verfügung steht. Hunde haben einen Bedarf an essenziellen Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren), den sie über die Nahrung decken müssen. Mit natürlich ernährten Beutetieren nehmen sie davon auch genug auf. Allerdings füttern die meisten Barfer ihre Hunde nicht mit Fleisch von Tieren aus reiner Weidehaltung oder von Wild, sondern meist von Tieren aus Massentierhaltung. Das Fleisch dieser Tiere weist ein Defizit an Omega-3-Fettsäuren auf, welches man durch die Gabe von Ölen mit einem hohen Omega-3-Fettsäurengehalt ausgleicht (z. B. Fischöl oder Leinöl). Achtung, der Vitamin-E-Bedarf des Hundes steigt mit der Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren an. Es ist daher sinnvoll, diese Öle grundsätzlich sparsam einzusetzen und Varianten zu verwenden, die mit natürlichem Vitamin E angereichert. Weil das Öl aus dem Plan gestrichen wurde, wird nun daher auch der Vitamin-E-Bedarf nicht mehr gedeckt.
Bekommt der Hund genügend Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung bzw. Wildfleisch oder Seefisch zu fressen, kann man auf die Gabe von zusätzlichem Öl verzichten. Damit sinkt auch der Vitamin-E-Bedarf.
Braucht man eine Komplettmischung?
Um es kurz zu machen, Nein, in der Regel nicht. Ganz im Gegenteil, diese häufig in Shops verkauften Vitamin und Mineralstoffmischungen können einige Nachteile haben. Zum einen sind sie fast nie wirklich ausgewogen. Wenn man es schafft, mit der Mischung beispielsweise den Jodbedarf zu decken, hat man dann nicht unbedingt automatisch auch den Vitamin-D-Bedarf gedeckt oder es ist so, dass man sehr viel dieser Komplett Zusätze verwenden muss, um den Bedarf zu decken. Dabei kann es auch dazu kommen, dass man bestimmte Nährstoffe zu hoch dosiert. Außerdem haben die meisten Mischungen dieser Art ein Problem: Sie enthalten oft ernährungsphysiologische Zusatzstoffe. Die sind dann nicht immer optimal ausgewählt, sondern eher kostengünstig. An Stelle von Zink-Citrat ist dann billiges Zink-Oxid enthalten, an Stelle von natürlichem Vitamin E wird einfach Synthetisches verarbeitet. Das ist natürlich nicht wünschenswert.
Schlussfolgerung
Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass wissenschaftliche Bedarfswerte nicht 1:1 auf gebarfte Hunde übertragen werden können, da sie basierend auf einer Nahrung ermittelt wurden, die im Gegensatz zu einer Ernährung mit BARF sehr viele diätische Antagonisten (wie z. B. hohe Getreide oder Stärkemengen) liefert, die die Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe herabsetzen und daher die Bedarfswerte verzerren. Obendrein können Bedarfswerte immer nur eine Orientierung sein, da sie auf das individuelle Tier längst nicht zutreffen müssen. Man sollte demnach bei BARF nicht stur an Werten festhalten, die für diese Ernährungsform ohnehin nicht zutreffend sein können.
Geht man von einer höheren Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe bei einer fleischbasierten, getreidearmen freien Ernährung aus, benötigt man keinerlei Nahrungsergänzungsmittel, um einen gesunden Hund mit Beutetieren bedarfsgerecht zu ernähren. Es gibt jedoch einige Zusätze, die aufgrund der Tatsache, dass sich in den meisten Hundenäpfen keine ganzen Beutetiere, kein Fleisch aus artgerechter Haltung wieder finden und die Hunde zudem sehr viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, Sinn machen. So ist eine Ergänzung des Futterplans mit See Algen, Fischöl und Lebertran in vielen Fällen sinnvoll. Eine Substitution mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln ist nur dann angebracht, wenn der Hund z. B. keine Knochen fressen darf oder Innereien verschmäht.
Hat der Hund einen ausgewogenen Futterplan sollte die unüberlegte Gabe von diversen Mineralstoff oder Vitaminmischungen oder auch von Heilkräutern hingegen tunlichst vermieden werden. Einerseits sind einige Nährstoffe durchaus über dosierbar, andererseits wird die Interaktion von Nährstoffen beeinflusst, sodass sekundäre Nährstoffmängel entstehen können. Und wie der Name Heilkraut schon sagt, sind diese zur Unterstützung im Krankheitsfall gedacht und kein normaler Nahrungsbestandteil.
Ergänzend soll noch erwähnt werden, dass bestimmte Krankheiten zu Verschiebungen einiger Bedarfswerte führen können. In so einem Fall sollte dann ggf. eine Substitution mit einem zertifizierten Ernährungsberater abgestimmt werden.
Die Firma Barfers Wellfood gibt euch gerne Auskünfte
C. Kaul
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